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„Feierabend!“ ruft Annerl in die
Schmiede hinein, eine junge, hübsche Dirne, die,
elternlos, vom Dorfschmied und Bürgermeister wie das
eigene Kind neben zwei stämmigen Söhnen aufgezogen
wurde. Hans ist der Ältere der beiden, er hat dem
mit Gemeinsorgen überhäuften Vater das
Schmiedegeschäft abgenommen. Michel, der Jüngere,
ist ein tüchtiger Jäger geworden. Hans und Annerl –
ihr Wortschatz ist karg, aber sie fühlen die
Zusammengehörigkeit, fühlen, dass es nirgends
schöner sein kann als in der Heimat. ..
Der stille Abendfriede wird gestört durch den Einzug
einer Zigeunerbande. Ein Hinterrad eines ihrer
Wagen ist gebrochen. Sie können nicht weiter, ehe er
repariert ist. Mit harten Worten verwehrt ihnen der
Bürgermeister den Aufenthalt im Dorf, lässt dem
fahrenden Volk einen Lagerplatz am Dorfrand beim
Galgenbuckel anweisen. – In das sonst so still und
einfach hinfließende Leben der Dörfler haben die
Zigeuner eine Welle der Unruhe hineingespült. Die
Burschen und Mädchen drängen sich um das Lagerfeuer
am Rande des nächtlichen Waldes. Fremdartige Musik,
schwermütige Zigeunerweisen, seltsame Laute einer
nie gehörten Sprache und der leidenschaftlich
lodernde Tanz von Saffy wirken faszinierend auf die
einfachen Menschen. Bewusst berechnend zieht Saffy
die Söhne des Bürger-meisters in ihren Bann. Sie
will sich an ihnen rächen für die Beleidigung, die
ihr und ihrem Volke durch den Vater widerfahren.
Beide lässt sie am Gängelband der Liebe zappeln,
lässt sich von ihnen Geschenke geben und will doch
nur, dass die Brüder in Eifersucht sich entzweien,
und die Eltern den Unfrieden ins Haus bekommen,
Annerl um ihr Liebesglück betrogen wird. Einem jeden
gibt sie Stelldichein.
Hans liebt offen und ehrlich; er macht auch nicht
Halt vor dem Gedanken, das fremdrassige Weib zu
heiraten. Dem Jäger ist das schwarzlockige Mädchen
ein Wild, das ihm über den Weg gelaufen und das er
erbeuten will, Katzenartig entwindet sie sich seinen
Armen und läuft ihm davon – über die Holzbrücke,
unter die gurgelnden Wildwasser dahinströmen. Dort
erwischt er sie, mit Gewalt will er sich den Kuss
nehmen, den sie ihm immer wieder verweigert. Da –
das morsche Holz der Brücke gibt nach – Saffy stürzt
in die Klamm, die springenden, schwarzen Wasser
entführen sie – noch ehe der entsetzte Michel einen
Gedanken zur Rettung fassen konnte. Mit Fackeln
sucht man die ganze Nacht die Wildwasser ab, bis in
den grauen Tag hinein. Hans ist verzweifelt, während
die anderen mit Michel heimwärts gehen, das Unnütze
ihres Suchens aufgeben, sucht er weiter, starrsinnig
die Hoffnung nähren, Saffy zu finden. Endlich sieht
er sie, von einem Fels inmitten der Klamm
festgehalten. Seine Freude ist gewaltig, er trägt
sie heim, zur Pflege in sein Elternhaus. Das Unheil
hat mit der Zigeunerin seinen Einzug in das
Bürgermeisterhaus gehalten.
Michel fühlt sich schuldbewusst, er möchte sich bei
der genesenden Saffy wieder einschmeicheln und
schenkt ihr einen Gemsbart von einem Bock, den er
selbst erlegt. Dies harmlose Geschenk wäre beinahe
der Anlass eines Brudermordes geworden. Er will ihr
einen noch schöneren Bart bringen. Nachts steigt er
in die Berge, und beim Morgengrauen auf Wanderwegen
einen Bock zur Strecke zu bringen. Um ein Haar hätte
ihn sein Bruder, der geglaubt hat, einem
vermeintlichen Wilderer auf die Spur gekommen zu
sein, abgeschossen. In derselben Nacht ist ein
Landstreicher in ein Bauernhaus eingedrungen und hat
aus demselben Schmucksachen entwendet. Er lenkt den
Verdacht von sich ab, indem er frech behauptet, er
hätte die Zigeunerin Saffy bei dem Diebstahl
überrascht. Das Maß ist voll, schon lange hat das
ganze Dorf mit Unwillen das Treiben der Zigeuner
beobachtet. Mit Gewalt wird Saffy, die wieder
zurückkehrte, an den Galgenbuckel ins Dorf
geschleppt. Hans, vom seinem nächtlichen
Wilderergang heimkommend, stellt sich der
aufgeregten Volksmenge entgegen, um Sally zu retten,
Er bezeugt offen, niemals könne sie die Diebin
gewesen sein, denn um die fragliche Zeit sei sie mit
ihm zusammengewesen. Die Gemüter der Dörfler sind
aufgeputscht. Sie wollen ihr Opfer. Fluchtartig
verlassen die Zigeuner den Bannkreis des Dorfes. Als
Schmied der Zigeuner zieht Hans mit ihnen von Ort zu
Ort. Bald fühlt er das Sinnlose, dem er verfallen.
Saffy heuchelt nicht mehr Liebe, da nur Hass sie
leitet. Offen schenkt sie ihre Gunst Pietro. Die
beiden Nebenbuhler prallen zusammen. Hans schleudert
den ihm an Kraft unterlegenen Zigeuner einen Abhang
hinab, heimtückisch wirf ihm dieser sein Messer in
den Rücken. Die Zigeuner ziehen ohne ihn weiter. Ein
Jahr hat genügt, um das Leben einer alteingesessenen
Familie zu zerstören.
Wieder rufen die Glocken am Abend eines Feiertages.
Zerlumpt und heruntergekommen, als Bettler, kehrt
Hans in sein Heimatdorf zurück, krank an Körper und
Seele steht er vor der Schmiede – so sieht ihn
Annerl wider. Inniges Mitleid mit dem so tief
Gesunkenen lässt Annerl alle Bitternis vergessen.
Sie weiß jetzt, er ist heimgekehrt, weil er in der
Fremde hätte sterben müssen. Gerne verzeiht sie ihm
alles. |





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